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Das Leben entdecken

Worte der Besinnung

Seit seiner Gründung nimmt der Katholische Leseverein Koblenz seine Selbstverpflichtung, die religiöse Festigung und Vertiefung seiner Mitglieder zu fördern, sehr ernst. Diesem Ziel dienen in besonderer Weise  die seit 1986 regelmäßig durchgeführten Besinnungsnachmittage, je einmal in der Advents- und Fastenzeit. Drei Elemente – Besinnung, Begegnung mit Gott im gemeinsamen Gottesdienst, Begegnung im mitmenschlichen Zusammensein – bestimmen diese Treffen. Sie sind die wesentlichen und notwendigen Schritte, wenn wir unser Leben in seiner Wahrheit und Tiefe klarer erkennen wollen. Die durch die Hochfeste Weihnachten und Ostern geprägten Tagesthemen dienten durch all die Jahre der Einsicht: Wahrhaft Mensch ist der Mensch nur in seiner Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen. Nur in der Begegnung mit dem Du kann sich mein Ich entfalten. Eine Feststellung des Soziologen Wolf Lepenies in der „Süddeutschen Zeitung“ verdeutlicht die Bedeutung unserer Besinnungstage, wenn er sagt: „Einer Welt, die sich ihrer Gottlosigkeit rühmt, kommen...auch die weltlichen Glaubens- gewißheiten abhanden. Der vielbeschworene neue Mensch hat sich als der alte Adam erwiesen. An nichts zu glauben und dennoch seinem Leben einen Sinn zu geben, ist ein heroischer Vorschlag für Romanhelden. Der Kitt aber, der Gemeinschaften zusammenhält, lässt sich aus dem Programm der Gleichgültigkeit nicht formen.“ Der alte Adam ist der aus der Sündenfallgeschichte in Gen 3, der Gott nicht braucht, weil er sein eigener Gott sein will. Unsere Besinnungstage wollen helfen, das Bild vom wahren Menschsein zu entdecken;  denn der selbstherrliche Mensch macht sich zu einer Insel und zerstört so sein Leben, das diesen Namen verdient. Der Mensch ist eine freie Kreatur in beständiger und wesentlicher Beziehung zu Gott. Die Existenz des aus der Erde hervorgegangenen  Adam hängt an dem Geiste des Lebens, in dem Gott sich dem Menschen mitteilt. So wird er zu einem persönlichen und zugleich zu einem in Abhängigkeit vitaler  Natur, die im Gehorsam zum Ausdruck kommt. Der sündige Adam kann nur dann wieder ganz nach dem Bilde Gottes werden, wenn er nach dem Bilde Jesu Christi neu gestaltet wird, nach dem Bilde des wegen der Offenbarung der Liebe Gottes Gekreuzigten, des Siegers über Sünde und Tod.  Das einzige Werk, das wir Menschen zu leisten haben, ist der Glaube an den, den Gott gesandt hat (Joh 6,29). Denn es gibt nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Christus Jesus (1. Tim 2,5). Und es gibt nur einen Vater, dem die Glaubenden entgegengeführt  werden, damit sie durch den Sohn das Leben in Fülle  haben. Dieses Leben immer wieder neu zu entdecken, lohnt sich!

Stephan Schwarz
Geistlicher Beirat von 1996 - 2010